Boris van Benthem von Cassini Consulting ist dem Petershof in Duisburg-Marxloh und seinem Leiter, Pater Oliver, freundschaftlich verbunden. Der Geistliche gibt dort Menschen ohne Krankenversicherung die Chance zur kostenlosen Behandlung. Auch die IT im Haus kränkelte. Boris und sein Kollege Kevin Breidenbach schufen Abhilfe.

Erzählt uns über den Petershof.
Boris: Der Duisburger Stadtteil Marxloh gilt als sozialer Brennpunkt. Dort und über die Stadtgrenzen hinaus gibt es viele Menschen ohne Krankenversicherung. Sie können sich keine ärztliche Behandlung leisten. 2012 gründete Pater Oliver deshalb den Petershof am sozialpastoralen Zentrum St. Peter …

… wo Patienten ohne Krankenversicherung kostenlos behandelt werden.
Boris: Und die Zahlen sind erschreckend. Allein in Duisburg sind das 10.000 Menschen, davon 4.000 Kinder. Pater Oliver hat recht, wenn er sagt, dass wir hier auf eine humanitäre Katastrophe zusteuern, wenn es so weitergeht.

Wie hilft der Petershof?
Kevin: Das Projekt heißt „Infirmarium“ – Bestärkung also. Unterstützt wird es von drei ehrenamtlichen Ärzten, Krankenschwestern, dem städtischen Gesundheitsamt und 15 Übersetzern. Jeden Donnerstag steht der Petershof Patienten zur Behandlung offen – bis zu 80 sind das an einem Tag. Daneben ist der Petershof ein Zuhause für Jugendgruppen, bietet Essensausgaben, Deutschkurse oder ist aktuell auch Flüchtlingsunterkunft.

Wie wolltet ihr das Projekt unterstützen?
Boris: Ich bin mit Pater Oliver seit Jahren befreundet. Was er tut, ist für mich was ganz Besonderes. Nun bin ich kein Arzt. Aber ich verstehe was von Technologie. So hab ich mir die IT angeschaut …

… die marode war?
Boris: Sie dient vornehmlich der Koordination aller ehrenamtlichen Helfer. Dauernd gab es aber Störungen und Abstürze. Kein Wunder, der Großteil der Hardware besteht aus Spenden, das Netzwerk wurde provisorisch aufgebaut. Jeder kleinere Ausfall unterbricht die soziale Arbeit.

Was machtet ihr als Erstes?
Boris: Ich sprach Kevin an, der zu der Zeit noch Praktikant bei Cassini war.
Kevin: Ich hab natürlich sofort zugesagt. Was ich dort lernte, wollte ich auch für meine Bachelorarbeit nutzen.

Wie verlief das Projekt?
Boris:
Erstmal haben wir einen IT-Quick-Check gemacht und Gespräche geführt, um herauszufinden, wie die Prozesse durch eine betriebssichere und nachhaltige IT unterstützt werden können. Die Herausforderung war, eine pragmatische Lösung zu finden.
Kevin:
Aber nicht nur wir beide haben angepackt. Auch andere Cassinis haben bei der Planung und Umsetzung geholfen.
Boris:
Das war klasse. Wir haben neben der technischen Lösung eine Betriebsorganisation entwickelt. Mitarbeiter und lokale Dienstleister mussten ja in der Lage sein, Störungen selbst zu bearbeiten oder die IT-Leistungen weiterzuentwickeln. Wir suchten deshalb nach geeigneten Dienstleistern und haben die Mitarbeiter vor Ort gecoacht.

Hat auch Cassini die Sache unterstützt?
Boris: Sämtliche Beratungskosten wurden im Rahmen des Pro-Bono-Projektes übernommen. Der Zuspruch war enorm.

Gab es einen Moment, der euch besonders bewegt hat?
Boris: Dass die humanitäre Situation im Duisburger Norden schlecht ist, ist bekannt. Dass aber Menschen in Deutschland nicht ärztlich versorgt werden, hungern müssen oder keine Kleidung besitzen, war mir in diesem Ausmaß nicht bewusst. Das hat mich genauso schockiert wie bewegt.
Kevin: Mir ging das genauso. Da wird einem klar, wie gut es einem geht und wird demütig.

Was veränderte das Projekt?
Kevin: Zuvor konnte sich Pater Oliver oft nicht auf die gemeinnützige Arbeit konzentrieren, weil er durch IT-Probleme abgelenkt war. Ein paar Wochen später kam er freudestrahlend auf uns zu und sagte, dass er seitdem keine IT-Ausfälle mehr hatte. Das ist bis heute so!

Mehr Informationen:
www.peter-und-paul-marxloh.de