Anja Becker, Backoffice-Kraft bei Cassini Consulting, engagiert sich in ihrer Freizeit für die Initiative Drachinzeit in Potsdam: Mädchen inmitten ihrer Pubertät nehmen rituell Abschied von ihrer Kindheit. Eine tiefgreifende Erfahrung für die jungen Frauen. Und für Anja, die als Teamfrau den Prozess des Übergangs in das Erwachsenenleben begleitet.

Anja, wofür steht Drachinzeit?
Das Projekt Drachinzeit begleitet jugendliche Mädchen in der Zeit ihrer Pubertät. Teamfrauen wie ich unterstützen die Mädchen in dieser Lebensphase und bieten Übergangsrituale an zum Abschiednehmen von der Kindheit und zur allmählichen Loslösung von ihren Eltern.

Es handelt sich also um einen mehrtägigen Prozess?
Genau. Für die Mädchen geht es darum, eine bewusste Entscheidung zu fällen: Ich lasse einen prägenden Teil meines Lebens hinter mir – Jahre meiner Kindheit, aber auch der Behütung  – und nehme meine Rolle im Leben als Erwachsene an. Das geht nicht von heute auf morgen. Im Rahmen der Vorbereitung auf das Abschiedsritual treffen sich die Mädchen regelmäßig vom Frühling bis zum Herbst, um den intimsten Fragen ihrer Identität auf den Grund zu gehen. Dann folgt das mehrtägige Ritual.
Was steht hinter dem Ritual?
Für mehrere Tage lassen die Mädchen ihr gewohntes Umfeld hinter sich und begeben sich in die Natur, schlafen alleine draußen, unterstützt von Frauen mehrerer Generationen und aus unterschiedlichsten Lebenskontexten. In diesem Kreis zelebrieren sie ihren ganz persönlichen Übergang vom Mädchen zur jungen Frau. Dabei lernen sie, mehr Verantwortung für sich selber zu übernehmen, sie machen neue Erfahrungen und gehen über ihre gewohnten Grenzen hinaus. Dabei begleiten sie die Fragen: Was will ich an „guten Gaben“ aus meiner Kindheit behalten und in welchen Bereichen möchte ich mich verändern?

Welche Aufgaben übernimmst du bei Drachinzeit?
Ich leite zusammen mit einer Kollegin jedes Jahr eine Gruppe von 8 bis 10 Mädchen.

Was war der Auslöser, um dich für Drachinzeit zu engagieren?
Mir war die Arbeit im Bereich der initiatorischen Prozessbegleitung bereits bekannt. Als ich vor sechs Jahren nach Potsdam gezogen bin, habe ich mich dort nach Projekten mit dieser Ausrichtung erkundigt und an die „Drachinzeit-Tür“ geklopft.

Was ist dir so wichtig an Drachinzeit?
Ich bin überzeugt davon, dass sich die Übergangsphase in der Pubertät prägend auf das weitere Leben auswirken kann und versuche daher, junge Mädchen dahingehend zu unterstützen, dass dieser wichtige Schritt gut gelingen kann.

Erzähle uns von deinem bewegendsten Moment …
Das ist jedesmal, wenn die Mädchen am Ende des Jahreszyklus in die „Ritualzeit“ gehen. Während dieser Tage, die wir ausschließlich in der Natur verbringen, machen die Mädchen einige Grenzerfahrungen. Wenn sie dann nach einer Nacht und einem Tag alleine aus dem Wald zurückkehren und ihre Geschichte erzählen, und ich dabei Zeuge sein und das Wachstum und den Mut dieser jungen Frauen erleben darf, berührt mich das immer sehr.

Mehr Informationen:
www.drachinzeit.de
www.drachinzeit-film.de

Filmtrailer: